Dreieck

MOVE-RESPONSE – Kulturpolitik

von Silke Ballath, Bahar Meriç · 30.06.2026

Das Themenfeld Kulturpolitik eröffnet den Teilnehmenden einen Einblick in die politischen, gesellschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen von Kunst und Kultur. In Workshops und Gesprächen mit Expert*innen aus Praxis und Verwaltung werden zentrale Fragen zu kultureller Teilhabe, Förderstrukturen, Diversität, Machtverhältnissen und sozialer Gerechtigkeit im Kulturbetrieb behandelt. Ziel ist es, die Teilnehmenden zu befähigen, kulturpolitische Zusammenhänge zu verstehen, kritisch zu reflektieren und eigene Handlungsspielräume im Feld der Kunst und Kultur zu erkennen und zu gestalten. Im Format Move-Response: Kulturpolitik mit dem Titel: Response: Gemeinsam etwas bewegen werden Forderungen vorgestellt, die aus dem Netzwerktreffen im Juli 2025 zwischen Teilnehmenden, Künstler*innen, Forscher*innen, Vermittler*innen und kulturpolitischen Akteur*innen zusammengetragen wurden. 

Zu fünf Themenfeldern sind Fragen, Erfahrungen, Wünsche und Herausforderungen diskutiert worden: Sichtbarkeit von Tanz als Berufsfeld, Wissen teilen | (um-)verteilen, Anerkennung von Expertisen: Gegeninstitutionen?, Bedürfnisorientierung sowie unreach/inreach – Transparenz und Zugänge. Daraus hervorgegangen sind pro Themenfeld bis zu 12 Forderungen, die sich sowohl an kulturpolitische Akteur*innen, an Kultur- und Bildungsinstitutionen als auch an die Tanzcommunity selbst richten.

Response: Gemeinsam etwas bewegen – Forderungen aus dem Netzwerk Future Move Tanz

 

Sichtbarkeit von Tanz als Berufsfeld

Diese Forderungen zielen darauf ab, Tanz als Berufsfeld gesellschaftlich sichtbar zu machen, strukturell zu verankern und für alle sozialen Schichten zugänglich zu gestalten.

Forderung 1: Strukturelle Verankerung von Tanz im Bildungssystem

  • Einführung von Tanz als reguläres Schulfach (inklusive Tanzgeschichte) an allen Schulformen
  • Integration von Tanz und Kultur in Berufsorientierungsprogramme in Schulen
  • Verpflichtende Aufklärung über Tanzberufe bereits in Kitas und Schulen
  • Schaffung von Vorausbildungsmöglichkeiten und frühzeitiger Zugang zu Vorbildern

Forderung 2: Institutionelle Outreach-Verpflichtung

  • Standardwechsel an Universitäten und Tanzakademien: aktives Outreach zu Jugendhäusern, Schulen und Kitas
  • Aufbau lokaler Netzwerke zwischen Institutionen (Jugendamt, Tanzorten/-institutionen, Theater, Jugendzentren)
  • Mehr Räume für Tanz im Theater und in öffentlichen Einrichtungen

Forderung 3: Transparenz und faire Arbeitsbedingungen

  • Vollständige Transparenz über Gelder: Löhne, Förderungen (wer, wo, wie viel, warum)
  • Transparenz in Auswahlprozessen für Ausbildung, Engagements und Förderungen
  • Einführung von Quoten zur Gleichberechtigung auf allen Ebenen
  • Förderung freier Strukturen für mehr Sichtbarkeit des Berufsfeldes

Forderung 4: Informationszugang demokratisieren

  • Schaffung eines zentralen, barrierefreien Informationspools über Tanzberufe und Professionalisierungswege
  • Gezielte Vermittlung von Informationen an Eltern und Familien
  • Qualifizierung von Jobcenter-Mitarbeiter*innen zu Tanzberufen, -wegen und Möglichkeiten
  • Systematische Aufklärung in Jugendzentren, Tanzschulen, Clubs, Kitas und Hochschulen

Forderung 5: Finanzierung von Weiterbildung und Professionalisierung

  • Jobcenter-Finanzierung von Dance Intensives und Workshopprogrammen
  • Praktikumsprogramme mit Einblicken in verschiedene Stile und Arbeitsweisen
  • Projektfonds für Kulturelle Bildung mit Fokus auf Tanz (z.B. für Einrichtungen, betreutes Wohnen, Senior*innen)
  • Förderung von Battles mit pädagogischer Begleitung

Forderung 6: Community-Building und Alumni-Strukturen

  • Belebung des Jungen Tanzhaus Berlin als Community-Zentrum (z.B. durch Future Move Tanz)
  • Etablierung von Alumni-Netzwerken mit Social-Media-Präsenz (Instagram, TikTok)
  • Alumni-begleitete Praktika und Mentoring-Programme
  • Plattformen für Wissensteilung und gemeinsame Entwicklung

Forderung 7: Sichtbarkeitskampagnen und Öffentlichkeitsarbeit

  • Nutzung öffentlicher Werbeflächen (z.B. Berliner Fenster) für Tanz-Kampagnen
  • Koordinierte Social-Media-Strategien mit professioneller Beratung
  • Plakate, Petitionen, Demonstrationen für die Rechte von Tanzschaffenden
  • Organisation von Battles und Showcases an Schulen zur Information

Forderung 8: Skill-Entwicklung und Selbstorganisation

  • Workshops für fehlende Skills (z.B. Videoaufnahmen, Ton, Schnitt, Social Media)
  • Unterstützung bei Organisation, Spendenaufrufen und Formatentwicklung
  • Beratungsangebote für selbstorganisierte Projekte und Kollektive

Forderung 9: Kooperationen und Finanzierungsmodelle

  • Aufbau von Sponsoring-Kooperationen (z.B. mit Marken wie Snipes)
  • Sachkooperationen (z.B. Kleidung, Equipment)
  • Projektfonds speziell für Community-basierte Tanzprojekte
  • Strukturelle Anbindungsmöglichkeiten für Alumni an bestehende Organisationen

Forderung 10: Identitätsbildung und gesellschaftliche Relevanz

  • Förderung von Tanz als Instrument für Identitätsbildung und Gruppenprozesse
  • Anerkennung des Bezugs von Tanz zur Selbst- und Weltwahrnehmung
  • Stärkung des gesellschaftlichen Stellenwerts von Tanz als Beruf und Kunstform

Forderung 11: Strategische Umsetzung

  • Expertise-Mapping: Wer bringt welche Kompetenzen mit?
  • Konkrete Projektplanung mit Fördermitteln
  • Professionelle Beratung für Umsetzungsstrategien (z.B. Anbindung an bestehende Strukturen)
  • Ziel: Menschen systematisch in Tanzcommunities bringen und dort halten

 

Wissen teilen|(um-)verteilen

Diese Forderungen zielen darauf ab, hegemoniale Wissensstrukturen aufzubrechen, vielfältige Wissensformen anzuerkennen und Wissen als gemeinsames Gut demokratisch zu verteilen statt es institutionell zu monopolisieren.

Forderung 1: Wissensbegriff demokratisieren und erweitern

  • Anerkennung von community-basiertem Wissen als gleichwertige Wissensform in Forschung und Praxis
  • Aufbrechen einseitiger Wissenstransfers von Institutionen zur „Basis“
  • Kritische Auseinandersetzung mit Akademisierung und exklusiven Wissens-Codes im Tanz
  • Gleichstellung persönlicher Erfahrung und verkörpertem Wissen mit akademischen Qualifikationen

Forderung 2: Dekoloniale Wissenspraxis etablieren

  • Systematische Aufarbeitung kolonialer Strukturen in Tanzwissen und -archiven
  • Sichtbarmachung marginalisierter Perspektiven und Tanztraditionen
  • Kritische Reflexion von Macht- und Ressourcenverteilung in Wissensproduktion
  • Dezentrale Wissensspeicher statt zentralisierter, institutioneller Archive

Forderung 3: Alternative Professionalisierungswege schaffen

  • Entwicklung anerkannter Weiterbildungsformate für Community Dancer ohne Zertifikats- und Abschlusszwang
  • Anerkennung der Gleichwertigkeit von Student of Life und akademischen Abschlüssen (BA/MA of the Arts)
  • Neudefinition von „Professionalität“ jenseits institutioneller Zertifizierung

Forderung 4: Institutionen transformieren und dezentralisieren

  • Strukturelle De-Etablierung traditioneller Institutionen zugunsten flexibler, dezentraler Orte
  • Kritische Selbstreflexion der Selbstdarstellung von Institutionen
  • Auflösung des Konflikts zwischen Tradition/Legacy und Offenheit für Gegenwart/Zukunft
  • Schaffung echter (nicht nur scheinbarer) Öffnung von Institutionen

Forderung 5: Zugänge systematisch erweitern

  • Transparenz über ausbildungsrelevante Qualitäten und Tänzer*innenverständnisse
  • Öffnung von Archiven mit niedrigschwelligen Zugängen und verbesserter Sichtbarkeit
  • Schaffung queer*-einladender Räume in allen Tanzkontexten
  • Flächendeckende Zugänglichkeit zu Tanzwissen im Alltag

Forderung 6: Begegnung und Austausch institutionalisieren

  • Kompanien proben und arbeiten in Schulen, um Austausch und Begegnung zu ermöglichen
  • Neugestaltung der Lehrkräfte an Tanzschulen: Wer unterrichtet? Wer hat Zugang?
  • Förderung von Begegnungsformaten zwischen junger Sparte, Jugendclubs und professioneller Szene
  • Etablierung interdisziplinärer Räume für Wissensaustausch

Forderung 7: Tanz als Bildungs- und Forschungsinstrument verankern

  • Integration von Tanz als Schulfach und selbstverständlicher Teil der Bildung
  • Anerkennung von Tanz als legitimes Forschungsinstrument
  • Nutzung von Tanz für Teambuilding und soziale Prozesse
  • Systematische Weitergabe von Tanzkultur über Schule, Familie, Community und Institution

Forderung 8: Flächendeckende Strukturen entwickeln

  • Konzeption bundesweiter/landesweiter Strategien zur Demokratisierung von Tanzwissen
  • Dezentrale Verteilung von Ressourcen statt Konzentration in urbanen Zentren
  • Schaffung von Platz und Raum für vielfältige Tanzpraktiken außerhalb etablierter Institutionen

Forderung 9: Theorie und Praxis verbinden

  • Gleichwertige Behandlung von Tanzgeschichte, Schulen, Institutionen, Theorie und Praxis
  • Aufbrechen der Hierarchie zwischen theoretischem und praktischem Wissen
  • Kulturweitergabe als gemeinsame Verantwortung verschiedener Akteur*innen

Forderung 10: Macht- und Ressourcenfragen adressieren

  • Transparenz über Zusammenhänge zwischen Wissen und Macht
  • Umverteilung von Ressourcen zur Wissensproduktion
  • Kritische Reflexion: Kann institutionelles Wissen mit persönlichem Interesse vereinbart werden?

 

Anerkennung von Expertisen: Gegeninstitutionen?

Diese Forderungen zielen darauf ab, die Expertise der freien Szene anzuerkennen, alternative Bildungs- und Professionalisierungswege zu legitimieren und selbstorganisierte, community-basierte Strukturen als gleichwertige Akteure im Tanzfeld zu etablieren.

Forderung 1: Alternative Bildungswege anerkennen und fördern

  • Anerkennung nicht-universitärer Ausbildungswege als gleichwertige professionelle Qualifizierung
  • Abkehr von der Zertifikatsorientierung hin zur Anerkennung praktischer Expertise und gelebter Professionalität
  • Entwicklung von Finanzierungsmodellen für alternative Bildungswege mit angemessener Bezahlung
  • Ermöglichung kostenloser Vorausbildung auch an Universitäten und Tanzakademien

Forderung 2: Wissensaustausch und kollektive Lernstrukturen etablieren

  • Förderung von Shared Practices zwischen freier Szene und etablierten Institutionen
  • Finanzierung regelmäßiger, kostenloser Kurse und Workshops für die Tanzgemeinschaft
  • Plattformen für verbalen und non-verbalen Wissensaustausch auf Augenhöhe schaffen
  • Systematische Aufklärungsarbeit und gebündelte Informationsbereitstellung

Forderung 3: Netzwerkstrukturen nachhaltig fördern

  • Finanzierung regelmäßiger Netzwerktage und -wochen
  • Aufbau nachhaltiger Organisationsstrukturen mit geteilter Verantwortung
  • Unterstützung niedrigschwelliger, hierarchiearmer Community-Strukturen
  • Stärkung politischer Vernetzung innerhalb der Tanzszene

Forderung 4: Sichtbarkeit und Anerkennung erhöhen

  • Institutionelle Anerkennung der Expertise und Professionalität selbstorganisierter Netzwerke
  • Förderung von Formaten, die Expertisen der freien Szene sichtbar machen
  • Nutzung von Social Media und digitalen Plattformen zur Verbreitung von Wissen und Praktiken
  • Positionierung der Tanzszene als eigenständige, expertisebasierte Community

Forderung 5: Zugänglichkeit systematisch verbessern

  • Etablierung rotierender Offener Tage/Wochen in verschiedenen Institutionen, Orten und Communities
  • Niedrigschwellige Formate, die verschiedene Szenen und Gemeinschaften erreichen
  • Community-orientierte Bedarfserhebung: „What does acknowledgment look like for you?“

Forderung 6: Leistungs- und Skillzwang dekonstruieren

  • Kritische Auseinandersetzung mit Leistungsdruck in Ausbildung und Beruf
  • Anerkennung diverser Wissensformen jenseits klassischer Skill-Hierarchien
  • Wertschätzung geteilten Wissens als professionelle Expertise

Forderung 7: Bestandsaufnahme und bedarfsorientierte Entwicklung

  • Systematische Recherche: Welche Strukturen existieren bereits?
  • Identifikation von Lücken: Was fehlt noch?
  • Orientierung an aktuellen Needs der Tanzszene statt an tradierten Strukturen
  • Entwicklung sofort umsetzbarer Maßnahmen parallel zu langfristigen Strukturveränderungen

Forderung 8: Gegeninstitutionelle Strukturen aufbauen

  • Förderung selbstverwalteter, community-basierter Organisationsformen als Alternative zu klassischen Institutionen
  • Finanzielle Gleichstellung gegeninstitutioneller Strukturen mit etablierten Einrichtungen
  • Anerkennung alternativer Governance- und Entscheidungsmodelle

 

Bedürfnisorientierung

Diese Forderungen zielen darauf ab, Tanzstrukturen radikal an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen auszurichten und dabei besonders marginalisierte Perspektiven zu zentrieren, statt Menschen an starre institutionelle Vorgaben anzupassen.

Forderung 1: Sichere und inklusive Räume schaffen

  • Zugänglichmachung von Räumlichkeiten für die Streetstyle-Szene und urbane, freie Tanzszene
  • Nutzung leerstehender Schulräume am Abend für die freie Szene
  • Schaffung eigener Spaces für neurodivergente Menschen
  • Etablierung von Rückzugsorten in allen Tanzräumen
  • Raumgestaltung nach dem Prinzip „The better room meets all inclusive“

Forderung 2: Awareness und Anti-Diskriminierung strukturell verankern

  • Verpflichtende Awareness-Konzepte in allen Tanzinstitutionen (öffentliche Kommunikation, klare Rollenverteilung, bewusste Werbung)
  • Entwicklung und Implementierung von Verhaltenskodizes (Code of Conduct) für alle Tanzräume
  • Systematische Begegnung von Queerfeindlichkeit, patriarchaler Gewalt und Machtungleichheiten
  • Grundsätzliche Bewusstseinsschaffung und Aufklärung in Communities
  • Besondere Berücksichtigung von FLINTA-Personen, neurodiversen, rassifizierten, queeren, armutsbetroffenen und disabled Menschen

Forderung 3: Access Rider als Standard etablieren

  • Verpflichtende Nutzung von Access Ridern zur Benennung der Bedürfnisse von Teilnehmenden
  • Klare Kommunikation von Ansprechpersonen und Awareness-Teams in jedem Raum
  • Intersektionale und inklusive Planung von Teams und Veranstaltungen
  • Schulung von cis-hetero Männern zum Verständnis und Umgang mit Access Ridern

Forderung 4: Ausbildungsstrukturen reformieren

  • Infragestellung der starren dreijährigen Ausbildungsformate zugunsten flexibler Längen und Intensitäten
  • Mehr Freizeit und Zeit für Leben und Essen in Tanzausbildungen
  • Abkehr vom ausschließlichen Leistungsgedanken und Endprodukt-Fokus
  • Berücksichtigung individueller Ziele und Bedürfnisse statt standardisierter Anforderungen
  • Hochschulen müssen sich an Menschen anpassen, nicht umgekehrt

Forderung 5: Psychosoziale Unterstützung ausbauen

  • Psychologische Beratungsstellen mit spezifischem Fokus auf Tanz an allen Tanzhochschulen
  • Ansprechpersonen an Hochschulen und in der freien Szene für persönliche Bedürfnisse (z.B. Finanzierung)
  • Strukturelle Unterstützung für mentale Gesundheit von Tanzschaffenden

Forderung 6: Praktische Infrastruktur verbessern

  • Öffnung von Mensen auch abends für Tanzstudierende
  • Mehr finanzielle Mittel bei weniger bürokratischen Vorgaben
  • Flexibilität und Individualität bei der Erfüllung von Bedürfnissen

Forderung 7: Informationszugang demokratisieren

  • Transparente, zugängliche Informationsquellen zu Bewerbungsverfahren, Anmeldungen, Jobsuche
  • Klare Benennung von Ansprechpersonen in allen Institutionen
  • Aufklärung über verschiedene Ausbildungswege (Tanzschulen, Schulen, Hochschulen, Akademien, Sessions, Theater, Classes)

Forderung 8: Sprache und Repräsentation dekolonisieren

  • Überarbeitung des Wordings in Ausschreibungen (Theater, diaspora, zeitgenössisch)
  • Sichtbarkeit afrodiasporischer Perspektiven und dis-abilities
  • Kritische Auseinandersetzung mit elitären Strukturen (z.B. an Hochschulen)
  • Reflexion von Form vs. Inhalt in Studiengängen (z.B. Master Critical Dance Studies, Ballett- und Theatergeschichte, Dramaturgie, Journalismus)

Forderung 9: Politische Organisation ermöglichen

  • Zeit und Ressourcen für politische Selbstorganisation von Tanzschaffenden
  • Organisation von Tanzdemos als politisches Statement
  • Kooperation mit Tanzschulen, Jugendzentren und Dance Communities bei Demos
  • Schaffung von Dance Spaces in Parks, offen für alle Communities
  • Anerkennung von Tanz als politischer Praxis und Social Justice-Instrument

Forderung 10: Lern- und Lehrkultur transformieren

  • Aufbrechen der Hierarchie zwischen Lernenden und Lehrenden: „Lehrende und Lernende sind Lehrende und Lernende“
  • Abschaffung von Leistungsdruck als dominierendem Prinzip
  • Respekt für die kulturellen Ursprünge verschiedener Tanzstile
  • Anerkennung der politischen Geschichte des Tanzes (Social Justice, Dance is political)

Forderung 11: Kontinuierliche Evaluation und Weiterentwicklung

  • Systematische Nachbereitung und Evaluation mit Feed-Forward-Prinzip
  • Regelmäßige Netzwerktreffen und Austausch von Practitioners
  • Vernetzung verschiedener Spaces, Stile und Institutionen
  • Kontinuierliche Anpassung an sich verändernde Bedürfnisse

Forderung 12: Kollektivität und Widerstand stärken

  • Förderung von Kollektivität und Community als Gegenprinzip zu Vereinzelung
  • Unterstützung von Widerstandspraktiken gegen diskriminierende Strukturen
  • Stärkung solidarischer Netzwerke

 

unreach/inreach – Transparenz und Zugänge

Diese Forderungen zielen darauf ab, den Tanzbereich diverser, zugänglicher und gerechter zu gestalten sowie strukturelle Barrieren systematisch abzubauen.

Forderung 1: Zugang zu Ausbildung demokratisieren

  • Abschaffung klassischer Audition-Verfahren zugunsten offenerer, diskriminierungssensibler Auswahlprozesse
  • Einführung transparenter, objektiver Bewertungskriterien für Aufnahmeprüfungen
  • Etablierung von Quotenregelungen an Tanz-Universitäten zur Förderung unterrepräsentierter Gruppen
  • Schaffung inklusiver universitärer Ausbildungsstrukturen für Menschen mit Behinderungen

Forderung 2: Barrieren systematisch abbauen

  • Einrichtung niedrigschwelliger Formate wie Gasthörer:innenschaften, Hospitanzen und Tage der offenen Tür
  • Gezielte Ansprache und Werbung bei diversen gesellschaftlichen Gruppen
  • Entwicklung von Jungstudien-Programmen als Brücke zur professionellen Ausbildung
  • Bereitstellung barrierearmer Mikroförderung für junge Tanzschaffende

Forderung 3: Institutionen strukturell transformieren

  • Verpflichtende Selbstreflexionsprozesse mit professioneller Moderation in Kulturinstitutionen
  • Diversifizierung des Lehrpersonals (nächste freie Stellen prioritär für BiPoC/Menschen mit Behinderungen)
  • Fortbildungsprogramme für Leitungsebenen zu Diversität, Antidiskriminierung und inklusiven Arbeitskulturen
  • Stärkung der Zusammenarbeit mit Diskriminierungsbeauftragten

Forderung 4: Transparenz und faire Arbeitsbedingungen

  • Veröffentlichung von Honoraruntergrenzen und Bezahlungsstrukturen
  • Transparente Darstellung von Förderkriterien, insbesondere für Vermittlung, Partizipation und Bürgerbühnen-Formate
  • Zentrale Anlaufstelle für Open Calls, Projektausschreibungen und Stellenangebote (z.B. über Tanzhaus NRW)

Forderung 5: Begleitung und Unterstützung

  • Etablierung von Mentoring-Programmen zur Berufsvorbereitung (inkl. Selbstständigkeit)
  • Psychologische Beratungsangebote und Präventionsmaßnahmen gegen studienbedingte Belastungen
  • Kontinuierliche Begleitung zu Zukunfts- und Berufsperspektiven während des Studiums
  • Konsequente Evaluation der universitären Lehre mit verpflichtenden Maßnahmen

Forderung 6: Begegnung und Vernetzung fördern

  • Schaffung von Begegnungsräumen zwischen Institutionen und jungen Tanzschaffenden
  • Etablierung hochschulübergreifender Strukturen und regelmäßiger Netzwerktreffen
  • Förderung von Community Arts und interdisziplinären Gemeinschaftsprojekten

Forderung 7: Umverteilung von Ressourcen

  • Verschiebung von Mitteln von Produktionen hin zu Vermittlungs- und Bildungsformaten
  • Ausbau der Tanz-/Theater-Frühförderung
  • Kritische Analyse erwünschter Körperformen, Geschlechterrollen und körperlicher Normen im Tanz

Forderung 8: Lebensrealitäten einbeziehen

  • Entwicklung von Formaten, die bestehende Räume und Strukturen nutzen
  • Handlungsorientierte, pragmatische Ansätze statt ausschließlich theoretischer Konzepte
  • Zusammenarbeit unter Einbezug unterschiedlicher Wissensbestände und Perspektiven in gemeinschaftlichen Strukturen